Schwerbehinderung Akne conglobata?

Dieses Thema im Forum 'Allgemeine Anfragen' wurde von Lucille gestartet, 7 Januar 2008.

  1. Lucille

    Lucille New Member

    Hallo,

    habe beim Versorgungsamt gelesen, dass Akne vulgaris und Akne conglobata eine "Schwerbehinderung" sein können und dass dafür bei Vorliegen eine gewisse Prozentzahl (von 10 bis 50) als Schwerbehinderung gewährt werden kann.

    Hat jemand davon mehr Informationen?

    Liebe Grüße von Lucille

    *Nehme seit mehr als drei Jahren Roa ein.*
     
  2. Klingeling

    Klingeling New Member

    Generell kann für viele chronische Erkrankungen ein GdB (="Grad der Behinderung") festgestellt werden. Ab einem GdB von 50 gilt man als "schwerbehindert". Unter besonderen Voraussetzungen kann auch schon ab GdB 30 die Gleichstellung beantragt werden.

    Ich kann mir durchaus vorstellen, dass manche Akneverläufe einen GdB begründen können. Desweiteren können psychosoziale Komplikationen eine Behinderung darstellen. Wenn man bedenkt, dass eine Isotretinoin-Therapie in so mancher Nebenwirkung einer Chemotherapie ähnelt, ist es schon von Übel, dass man damit i.d.R. völlig allein gelassen wird. Wer zu sehr jammert, dem wird höchstens die Therapie abgesetzt. Anders bei Krebspatienten. Im Idealfall, also auf guten Onkologien, bekommen die umfangreiche Unterstützungsangebote.
     
  3. Prinzipiell hast Du Recht. Krebs und Akne sind irgendwo schon vergleichbar. Vor allem was die Persoenlichkeitsentwicklung der Patienten angeht, sind gewissen Parallelen nicht unverkennbar. Damit will ich keinen hier angreifen, aber wenn man beide kennt, kann man das nicht leugnen.

    Der Punkt ist aber, dass das Absetzen/Scheitern einer Chemotherapie fuer den Patienten etwas anderes bedeutet als das Absetzen einer Iso-Therapie.
    Ein Akne-Patient hat (gerade im psycho-sozialen Bereich) viele Moeglichkeiten, sich anders zu entwickeln und umzuschwenken. Das geht bei Krebspatienten, die sich bereits fuer eine Chemotherapie entschieden haben, i.d.R. nicht mehr.

    Kurzum: Die Notwendigkeit einer Psychotherapie zu erkennen liegt in der Verantwortung des Aknepatienten. Es gibt Aufgaben, die man selbst in die Hand nehmen muss. Ein Dermatologe kann sich (vom Zeitaufwand betrachtet) nicht auch noch um die Psyche seiner Patienten kuemmern.
    Klingt hart, aber das ist einfach so.
     
  4. Klingeling

    Klingeling New Member

    Krebspatienten werden auf guten Onkologien umfassend psychosozial unterstützt. Wozu (z. B.) gehört, dass Patienten kosmetische Dienstleistungen in Anspruch nehmen können, damit man ihnen die Erkrankung und die Strapazen der Behandlung weniger schnell ansieht. I.d.R. ist es kein Problem, während der Therapie krankgeschrieben zu werden. Über soziale Rechte wird umfassend aufgeklärt und gutachterliche Unterstützung angeboten. Kurzum, im Idealfall kümmert man sich richtig gut um den Patienten - bereits vorbeugend und weit über die Chemotherapie hinaus. Alles mit dem Ziel, den Patienten bei der Stange zu halten, also vor Depression und anderen psychischen oder sozialen Komplikationen zu bewahren. Weil man weiß, dass er sich voraussichtlich mies fühlen wird. Selbiges kann man ebenso z.B. bei schwerer, hartnäckiger Akne und Isotretinointherapie unterstellen. Allerdings fehlt hier eben die vergleichbar gute Betreuung, sozusagen prinzipiell. Fragen wie diese hier werden in der Onkologie bereits auf der Wartefläche beantwortet.

    Mein Thema war nicht, Akne und Krebs zu vergleichen oder gleichzusetzen.
     
  5. Verstehe schon worauf Du hinaus willst. Aber dann muss man konsequenterweise Patienten mit Neurodermitis auch psychisch betreuen. Und Patienten mit Skoliose oder anderen othopaedisch entstellenden Krankheiten auch. Wo soll man die Grenzen ziehen zwischen tolerierbarer "Entstellung" und einer solchen, die sozial nicht mehr kompensierbar ist?

    In so fern hinkt der Vergleich mit der Chemothrapie. Krebs ist eine lebensbedrohliche Krankheit und die meisten Patienten sind durch die Diagnose allein schon stark verunsichert. Verschlechtert man die Lebensqualitaet des Patienten fuer einen gewissen Zeitraum durch eine Chemotherapie, sind Komplikationen im psychischen und sozialen Umfeld nichts ueberaschendes.

    Eine Iso-Therapie ist in die Sinne nicht notwendig, da Akne nicht lebensbedrohlich ist. Außerdem kommt es auf den Patienten an, wie er mit seiner Akne umgeht. Das kann man auf alle nicht lebensbedrohlichen, aber chronischen Krankheiten uebertragen. Deshalb liegt es fuer mich im Ermessen des Patienten zu entscheiden, ob parallel eine psychische Unterstuetzung notwendig ist.

    Ganz abgesehen davon, dass die Arztpraxen jetzt schon ueberlaufen sind und realistischerweise kein Arzt die Zeit finden wird, jeden Patienten noch psychisch zu betreuen. Das waere optimal, da geb ich Dir Recht, aber es bleibt illusorisch.
     
  6. Klingeling

    Klingeling New Member

    Nunja, die Akne selbst ist nicht tödlich, eine Sepsis oder der Suizidversuch schon eher...

    Aus der "Leitlinie Psychosomatische Dermatologie": Akne-Patienten neigen häufig zu depressiven und sozialphobischen Tendenzen (ebmIII) und haben die höchsten bekannten Suizidraten unter den Hautpatienten

    Akne ist nun bekanntermaßen keine Erkrankung, die direkt die Hirnfunktion beeinträchtigt. Bezüglich Epidemiologie solch drastischer psychosozialer Komplikationen kommt es also auf die Gesellschaft (und dazu gehört auch das medizinische System), ihren Umgang mit der Erkrankung und den Betroffenen, an. Unbestritten ist, dass der Betroffene als Einzelkämpfer an den Systemen so gut wie nichts ändern kann, zunächst mal für sich einen Weg finden muss, wie er mit den Gegebenheiten klarkommt.

    Dass das medizinische System ansonsten auch bei der Betreuung anderer Erkrankungen versagt, weiß ich selbst. Es scheint so, dass ausreichende Betreuung oft erst einsetzt, wo das erhöhte Todesrisiko offensichtlich ist. Und manchmal nichtmal dann. Es gibt auch Onkologien, wo die Patienten mit ihren Problemen ziemlich allein gelassen werden...
     
  7. Lucille

    Lucille New Member

    Hallo,

    habe hier einen Ausschnitt vom Versorgungsamt über Beeinträchtigungen der Haut und deren Beurteilung des Grades der Schwerbehinderung. Der Text geht noch weiter mit Ekzemen usw., habe aber nur die Stellen für Akne rauskopiert.

    "26.17 Haut

    Bei der Beurteilung des GdB/MdE-Grades von Hautkrankheiten sind Art, Ausdehnung, Sitz, Auswirkungen auf den Allgemeinzustand, Begleiterscheinungen (wie Jucken, Nässen, Brennen, unangenehme und abstoßende Gerüche) und die Rezidivbereitschaft bzw. die Chronizität sowie die Notwendigkeit wiederholter stationärer Behandlung zu berücksichtigen. Bei
    Hautkrankheiten mit stark schwankendem Leidensverlauf kommt ein Durchschnitts-GdB/MdE-Grad (siehe Nummer 18 Absatz 5) in Betracht. Häufig sind außergewöhnliche psychoreaktive Störungen (siehe Nummer 18 Absatz 8)
    zusätzlich zu berücksichtigen. Bei Kindern können sich Hautkrankheiten
    schwerer auswirken als bei Erwachsenen.
    ...
    Narben können durch Ausdehnung, Beschaffenheit (z.B. Verhärtung, Verdünnung, Narbenzüge), Sitz oder Einwirkung auf ihre Umgebung zu Störungen führen. Bei flächenhaften Narben nach Verbrennungen, Verätzungen u.ä. muss außerdem die Beeinträchtigung der Haut als Schutz-, Ausscheidungs- und Sinnesorgan berücksichtigt werden. Diese Störungen bestimmen die Höhe des GdB/MdE-Grades.

    Bei Entstellungen ist zu berücksichtigen, dass sich Schwierigkeiten im
    Erwerbsleben, Unannehmlichkeiten im Verkehr mit fremden Menschen
    sowie seelische Konflikte ergeben können. Besonders gilt dies bei Entstellung
    des Gesichts.
    ...
    Akne
    Acne vulgaris
    leichteren bis mittleren Grades . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 0 – 10
    schweren Grades mit vereinzelter Abszeß- und Knotenbildung
    und entsprechender erheblicher kosmetischer
    Beeinträchtigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 – 30
    Acne conglobata
    auf die Prädilektionsstellen begrenzte häufige Abszeß- und
    Fistelbildungen und lokalisationsbedingte
    Beeinträchtigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 – 40
    schwerste Formen mit rezidivierenden eitrigen, vernarbenden
    axilläringuinalen und nuchalen Abszessen (Acne triade)
    und ggf. zusätzlicher Beteiligung des Pilonidalsinus
    (Acne tetrade) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . wenigstens 50

    Wenn ich daran denke, dass ich seit meinem 12. Lebensjahr zum Hautarzt renne, deswegen stationär behandelt wurde, Pillen, Tabletten, Salben nehme, Narben habe ohne Ende und jetzt schon Jahre Roa nehme, damit ich einigermaßen aussehe, fühle ich mich angesprochen und überlege, einen Antrag zustellen.

    Lucille
     
  8. Klingeling

    Klingeling New Member

    Es geht da um die Feststellung des Grades der Behinderung - nicht Schwerbehinderung! Wie gesagt, i.d.R. erst ab GdB 50 hast Du Schwerbehindertenstatus und Anspruch auf die damit verbundenen Benefizien. Wobei Deine Situation in der Gegenwart und absehbaren Zukunft bewertet wird, nicht die der wohlmöglich abgeschlossenen Vergangenheit. Wo würdest Du Dich unter diesen Voraussetzungen einstufen? Was erhoffst Du Dir davon?
     
  9. Genau. Aber ist das im Leben nicht allgemein so? Als Aknepatient hat man die Chance, das in sehr fruehen Jahren einzusehen und sein Leben zu aendern.
    Wenn es ein Betroffener nicht schafft, liegt es in seiner Verantwortung, sich psychologische Unterstuetzung zu beschaffen.
    Das ist bei einem schizophrenen Patienten im uebrigen auch so. Unter Umstaenden hilft ihm sein soziales Umfeld in die richtige Richtung, aber die letzte Verantwortung traegt er.

    Und glaub mir. Auch im "normalen" Leben werden die Menschen mit schweren Schicksalsschlaegen konfrontiert, fuer die sie zwar Hilfe annehmen koennen, wo es aber in ihrer eingenen Verantwortung liegt, diese anzunehmen und umzusetzen.

    Sich selbst als schwerbehindert zu klassifizieren, geht da genau in die falsche Richtung. Das Akneleben ist zwar alles andere als einfach, aber man hat die entscheidenden Dinge immer noch selbst in der Hand. Das ist bei einem Schwerbehinderten eben nicht mehr der Fall.
     
  10. Klingeling

    Klingeling New Member

    NoneOfTheAbove, ich verstehe gerade überhaupt nicht, worum es Dir geht.

    Der Schwerbehindertenstatus ist einfach ein sozialpolitisches Instrument, das versuchen soll, einwenig jene Nachteile zu kompensieren, die aus schwerwiegender körperlicher, psychischer oder geistiger Krankheit / Behinderung resultieren. Nein, man muss nicht völlig hilflos (also GdB 100) sein, um dieses Instrument in Anspruch nehmen zu können. Ein zentraler Bestandteil ist die Förderung von Integration in den Arbeitsmarkt, was bei völlig hilflosen Personen selbstredend gar nicht funktionieren kann. Eigeninitiatives Handeln wie die Durchführung von Psycho- oder anderen Therapien steht dazu nicht im Widerspruch. Der Schwerbehindertenstatus wird jeweils befristet festgestellt werden, wenn noch die Chance auf eine Besserung der gesundheitlichen Situation besteht. Wer die Voraussetzungen erfüllt und von dem Instrumentarium profitieren kann, handelt recht unvernünftig, wenn er auf die (amtliche!) Einstufung verzichtet.

    Ansonsten: Deine Meinung, dass Menschen doch in jedem Fall rechtzeitig selbst erkennen können, wenn sie Therapie/Hilfe benötigen, steht IMO irgendwie sehr im Widerspruch zur Realität...

    Mahlzeit!
     
  11. Aber Du schreibst doch selbst, dass der Schwerbehindertenstatus bei Aknepatienten nicht in Frage kommt. Dass dieser bei gewissen koerperlichen Beeintraechtigungen festgestellt werden sollte, stellt niemand in Frage.

    Mir geht es darum, dass man auch als Aknepatient sein Leben selbst in die Hand nehmen muss und sich nicht darauf verlassen kann, dass jemand anders die Verantwortung uebernimmt. Wo sind denn Sinn und Zweck der Feststellung eines Behindertengrades <= 50, der die von Dir angesprochenen Vorteile ja gerade nicht liefert?

    Dass Menschen die Notwendigkeit einer Therapie immer selbst erkennen koennen, habe ich doch nicht geschrieben. In der von Dir angesprochenen Realitaet ist das aber notwendig, da Aerzte vom Zeitaufwand her gesehen, gar nicht die Moeglichkeit haben, fuer jeden Patienten die Notwendigkeit einer Psychotherapie abzuwaegen.
     
  12. Klingeling

    Klingeling New Member

    Wie Du der Tabelle in Abgleich mit meinen Ausführungen entnehmen könntest, ist es allein der Akne wegen möglich, ab chronischer conglobata (GdB 30) den Schwerbehindertenstatus (bzw. die Gleichstellung dazu) zu erlangen. Die Einstufung der Akne <30 kann Sinn machen, wenn Multimorbidität vorliegt.

    Gut. Dann benutzt Du ab jetzt eine Suchmaschine für Fragen zum Schwerbehindertenrecht?

    Nein, schrubst Du nicht. Du hattest geschrieben, dass es in der Verantwortung eines jeden läge, sich die notwendige Hilfe selbst zu organisieren.

    Die Wahrnehmung von Verantwortung setzt die Fähigkeit dazu voraus. Entschuldige, dass ich eigeninitiativ mitgedacht habe!

    Es ist zudem fraglich, ob der nichtpsychiatrische Arzt überhaupt die Kompetenz mitbringt, sowas zu beurteilen...

    Davon abgesehen, umfassen die Aufgaben auch des nichtpsychiatrischen Arztes gegenüber dem Patienten allerdings weit mehr als bloßes Diagnostizieren und Rezeptieren. Eigentlich.
     
  13. Ich sehe es Dir nach. Ich wollte damit sagen, dass ich den Prozentsatz der Patienten, die eine Therapie benoetigen, dies aber nicht erkennen, fuer sehr klein halte. Normalerweise merkt man die Symptome etwa einer Sozialphobie recht deutlich.

    Siehste. Es waere sicherlich optimal, wenn jeder Schulmediziner auch gleich eine allumfassende Psychotherapie mit im Programm haette, aber das hat mit der Realitaet leider wenig zu tun.

    Und die waeren? Also da bin ich jetzt ja mal gespannt ...
     
  14. Tschuldige wenn ich Dich jetzt der Hoffnung beraubt habe, dass Du gewisse Verantwortungen einfach weiterschieben kannst. Ich wollt Dich jetzt nicht persoenlich angreifen, aber manchmal muss man einfach aeussern was man denkt.
    Oder bist Du jetzt traurig weil ich nicht auf Deine Polemik eingegangen bin?
    Eigentlich muesste so eine Diskussion doch auch irgendwann durch Godwin’s Law beendet werden. Also willst Du nicht mal so langsam ... ? ;)
     
  15. Lucille

    Lucille New Member

    Junge, junge, was ist denn das hier für eine Diskussion?

    Mein Mann ist kürzlich an Krebs erkrankt und wir füllen zusammen diesen Antrag vom Versorgungsamt aus. In den Richtlinien des Versorgungsamtes steht alles drin, welcher Krebs welchen Grad der Behinderung und für welchen Zeitraum vorsieht.

    Beim Durchblättern bin ich auf "meine" Akne conglobata beim Grad der Bemessung gestoßen. War völlig erstaunt, hätte nie gedacht, dass diese Hautkrankheit dort aufgenommen wurde.

    Seit meinem 12. Lebensjahr schlage ich mich damit rum und bin jetzt 43. Seit drei Jahren nehme ich Roa, damit das Hautbild und die Beschwerden wenigstgens einigermaßen aussehen.
    Nachteile hatte ich schon genug durch diese Krankheit. Warum nicht einen Antrag stellen und evtl. 30 % bekommen? Die kann ich wenigstens steuermindernd einsetzen. Mehr nicht.

    Lucille
     
  16. Helmut

    Helmut New Member

    Ein interessantes Thema :) Bin in all den Jahren noch gar nicht auf den Gedanken gekommen, sich durch schwere Akne einen Behindertenstatus offiziell geben zu lassen; wobei das menschlich sicher legitim ist. Wer leidet hat ja ein Recht auf möglichste Linderung - sei es in finanzieller Untertstützung oder in sozial- und psychischer Ebene. Insofern find ich das Thema nicht so kontrovers dass man einen Streit vom Zaun brechen muß.

    Zu den Gedanken, das jeder Betroffene selbst Verantwortung für seinen Umgang mit der Krankheit tragen muß ist schon richtig. Der Arzt kann nur immer Begleiter und Unterstützer sein, aber niemals der "Erlöser". Bei "kleinen" Zipperlein und der teilweisen Massenabfertigung kommt das einem so vor, aber der Heilgedanke geht doch etwas tiefer. Ein vom Gesundheitssystem und vom Arzt enttäuschter Patient wird auf Dauer eben automatisch anfangen zu versuchen, sich selbst mit dem Haaren aus dem Dreck zu ziehen. Zugleich übernimmt er dadurch Verantwortung für seinen Umgang mit der Krankheit.

    Ebenfalls finds ich interessant, das mal wieder Vergleiche wie Krebs und Akne herangezogen werden. Ich erinnere mich an vergangene heftige Diskussionen :D Das ist jetzt keine moralische Wertung, sondern nur eine Feststellung meinerseits. Ich will solche Gegenüberstellungen auch gar nicht werten, da ja jeder sein Kreuz zu tragen hat und bemüht ist, das beste draus zu machen.... oder auch nicht :rolleyes:
    Vielleicht noch etwas zu dem Umstand das eine durch Akne bedingte schwere psychische Belastung zu Suizidversuchen (was nicht zwingenderweise zum Tod führen muss) und Krebs tödlich verlaufen kann - der Unterschied liegt hier wieder im erleben des Betroffenen. Der Krebspatient hat ja am Anfang wohl Angst vor dem Ende und wird normalerweise versuchen dem Tod zu entrinnen. Bei Patienten mit Depressionen kippt die Situation ja um - weil man unten ist, kommt man alleine nicht mehr hoch. Was im erleben eines Krebspatienten sich abspielt kann ich nicht beurteilen, aber ich denke das eine Gemeinsamkeit mit Depressionen dahingehend besteht, das beide den Tod im extremen Fall als Erlösung sehen. Wobei hier wieder das soziale Umfeld eine wichtige Rolle spielt, dem entgegen zu wirken.

    Wollt mal wieder meine Gedanken kundtun auch wenn ich selten hier auf dem Forum bin :D
     
  17. Klingeling

    Klingeling New Member

    Welcome back, Helmut! :)

    Was soll "menschlich legitim" sein? Legitimität ist ein juristischer Begriff. Und ja, es gibt 'ne gesetzlich fixierte Aussage zur Bewertung des Behinderungsgrades bei Akne. Die schweren Fälle unter uns dürfen sich jetzt mal fragen, warum sie davon nie was erfahren haben...

    Auch "Verantwortlichkeit" ist ein juristischer Begriff. Die Anwendung auf Erkrankungsfälle geht oft in die Hose, denn unser körperlicher wie psychischer Zustand ist in Wirklichkeit ein ausgesprochen komplexes Produkt aus Anlagen und Prägungen. Die hilfsweise Zuweisung von Eigenverantwortung sollte nur dann erfolgen, wenn sie geeignet ist, dem Adressaten in seiner ganz konkreten Situation weiterzuhelfen. Beispiel: Der weiterhin kettenrauchende Kehlkopfkrebspatient. Der durchschnittliche Beobachter wird sich denken: "Der ist voll selbstverantwortlich!" Jemand, der sich mit Süchten und deren psychosozialen Hintergründen auskennt, könnte den Fall schon differenzierter betrachten. Was nicht bedeutet, dass er zu Therapiezwecken dann nicht doch die Eigenverantwortlichkeitskeule herausholt. Btw, der kettenrauchende Kehlkopfkrebspatient bekommt problemlos den Schwerbehindertenstatus.
     
  18. fierra

    fierra New Member

    Sorry dass ich mich in die Diskussion hier einmische, aber ich hätte da einen überlegenswerten Punkt: Sollte man denn nicht bedenken, dass viele, wenn auch nicht alle, Aknepatienten noch minderjährig sind, oft erst 12-15 oder nur wenig älter?!
    In dem Alter schon zu erkennen, dass man "eine Sozialphobie" hat, halte ich doch für sehr unwahrscheinlich. Vermutlich dürfte vielen in dem Alter noch nicht einmal das Wort bekannt sein. Selbst wenn, würden wohl nur die wenigsten selbsttätig Hilfe suchen. Eltern bemerken meist nichts, da sich die Angst meist auf Schule und Beziehungen zu Gleichaltrigen beschränkt und auf aufmerksame Lehrer braucht man meiner Erfahrung nach erst recht nicht zu hoffen. Da heißt es dann eben "ja der ist eben sehr schüchtern" oder ähnliches. Selber merkt man auch meist gar nicht so deutlich, was einem "entgeht" bzw. welche Chancen man ungenutzt lässt, die auch fürs spätere Leben nützlich und wichtig hätten sein können. Gerade in jugendlichem Alter kennt man auch meist noch nicht viel anderes, weiß gar nicht, wer man "sein könnte" ohne aknebedingte Hemmungen und Ängste.

    Ich würde (schwere) Akne durchaus als Behinderung einstufen, besonders wenn es dann tatsächlich mal Auswirkungen im Berufsleben o.ä. hat. Sprich, man wird nicht genommen, weil das äußere Erscheinungsbild missfällt, oder auch weil man sich durch nicht überschminkbare Akne so gehemmt fühlt, dass man sein Können erst gar nicht überzeugend rüberbringen kann. Es war z.B. für mich immer sehr verunsichernd, wenn ich das Gefühl hatte, andere Menschen können mir beim Gespräch wegen meiner Akne nicht ins Gesicht schauen.
    Also wenns da die Möglichkeit gibt - warum nicht nutzen und sich einstufen lassen?

    Etwas abstoßend finde ich allerdings den Vergleich zwischen Akne und Krebs. Die Wahrscheinlichkeit, an Krebs zu sterben, ist doch sehr viel höher als die Suizidfälle durch Akne, daher kann man das schonmal gar nicht vergleichen. Der Krebspatient hat außerdem häufig starke krebsbedingte Schmerzen und die Nebenwirkungen einer Chemotherapie machen noch zusätzlich zu schaffen. Todesangst, Befürchtungen, was aus der Familie, den Kindern wird - all das kommt unter Aknepatienten eher selten vor. Wir sollten alle froh sein, Akne zu haben anstatt Krebs!!
     
  19. Lucille

    Lucille New Member

    Grad der Behinderung bei Akne

    Hallo,

    das Versorgungsamt hat mir einen Grad der Behinderung (GdB) von 30 für die Hautkrankheit Akne zugestanden.

    Habe lediglich alle Fakten und den Krankheitsverlauf notiert und alle Adressen von den behandelnden Ärzten angegeben. Unterlagen selbst hatte ich nicht. Die Bearbeitung des Antrages dauerte acht Monate.

    Lucille
     
  20. Klingeling

    Klingeling New Member

    @Lucille: Hast Du denn aktuell krankheitsbedingte Einschränkungen oder war die Krankengeschichte ausschlaggebend?
     
  21. Lucille

    Lucille New Member

    Hallo Klingeling,

    zurzeit nehme ich in der Langzeitbehandlung Roa ein und bin halt ständig in Kontrolle. Meine Leberwerte sind nicht so besonders durch das Med, auch Cholesterin ist sehr hoch. Nehme ich aber in Kauf, nur nicht so aussehen wie vorher.

    Was jetzt der Hautarzt durch Befragung angegeben hat, weiß ich nicht. Aber ich habe alle genommenen Medikamente, Krankenhausaufenthalte in Hautklinik und alle behandelnden Ärzte (wie Gyn. wegen der starken Pille gegen Akne) angegeben.

    Andere Hautkrankheiten wie Neurodermitis werden auch mit einem GdB anerkannt.

    Es spielen nicht nur die äußeren Merkmale der Haut eine Rolle, sondern auch die psychischen Belastungen durch diese Erkrankung.

    Lucille
    :)
     

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